COVID-19

Restrukturierung während Corona Krise – Teil 1: Aktives Cash Flow Management – Liquidität sicherstellen

Die Auswirkungen des Corona Virus auf die globale Wirtschaft, zwingt branchenübergreifend Unternehmen dazu, ihre Geschäftsprozesse schnellstmöglich den neuen Marktsituationen anzupassen. Neben einzelnen Profiteuren, die insbesondere ihre Lieferketten den gesteigerten Nachfragen anpassen müssen, sind ein Großteil der Kleinstbetriebe, KMUs und Konzernverbänden dazu gezwungen, auf wegbrechende Umsatzerlöse zu reagieren.

Unsere Aurum Restrukturierungsexperten geben einen Überblick, welche Themen aktuell besonders im Fokus stehen sollten und wo Quick Wins zu generieren sind.

1. Cash Flow Controlling – Transparenz schaffen
In einem ersten Schritt sollte schnellstmöglich Transparenz geschaffen werden. Immer wieder stellen wir fest, dass die Datenqualität für die Beurteilung der kurzfristigen Finanzplanung in vielen Unternehmen unzureichend ist. Insbesondere in Krisensituationen ist ein Tagescontrolling aber unabdingbar. Besonders in Unternehmen mit komplexen Organisationsstrukturen, die vielleicht sogar in der Vergangenheit Tochtergesellschaften ein- bzw. ausgegliedert haben, fehlt häufig eine tagesgenaue Beurteilung der Einnahmen- und Ausgabensituation sowie der relevanten Frühindikatoren, wie Auftragseingänge oder Materialbestellungen innerhalb der einzelnen Gesellschaften.

2. Cash Flow Forecasting – Szenarien aufstellen
Wenn der Status Quo transparent aufbereitet werden kann, gilt es einen Blick nach vorne zu wagen. Aufgrund der Schwierigkeit, sichere Vorhersagen hinsichtlich der Eindämmung von Covid-19 zu treffen, sollten sich Unternehmen auf alle denkbaren Szenarien vorbereiten. Hieraus können wichtige Ableitungen gezogen werden, die den Zielkorridor für das Working Capital Management vorgeben.

3. Order to Cash – Forderungsbestände reduzieren
Eine Mammutaufgabe steht dem Debitorenmanagement bevor. Um Forderungsbestände abzubauen und damit Ausfallrisiken zu verhindern, wird es nicht ausreichen, das Mahnwesen zu beschleunigen. Hier ist die Einbindung der Key Account Manager gefragt, um gemeinsam mit den Kunden Lösungen zu finden. Im Neugeschäft sollte die Möglichkeit geprüft werden, Kunden auf Vorkasse umzustellen. Parallel sollten die Optionen eines verstärkt eingesetzten Factorings geprüft werden.

4. Purchase to Pay – Zahlungsziele verlängern
Auch wenn sich über die Maßnahme von Adidas, Deichmann, H&M Mietzahlungen der angemieteten Ladenflächen vorerst zu stoppen streiten lässt; der damit eintretende Liquiditätsvorteil liegt auf der Hand. Hinter der umstrittenen Maßnahme steht die Verabschiedung des Bundeskabinetts, den Kündigungsschutz bei Mietrückständen zunächst bis Ende Juni 2020 zu erweitern. Diese und weitere Regelungen sollen Verbraucher und in Zahlungsschwierigkeiten geratene Unternehmen schützen – es bleibt allerdings abzuwarten, unter welchen Voraussetzungen Unternehmen in der Praxis tatsächlich davon Gebrauch machen dürfen. Die Aurum Restrukturierungsexperten empfehlen direkten Kontakt zu den Geschäftspartnern aufzunehmen. Besondere Aussicht auf Erfolg in den Verhandlungen ist bei weniger krisenbetroffenen Lieferanten (z.B. Telekommunikation) zu erwarten.

5. Forecast to Fulfill – Warenströme optimieren
Höchstes Augenmerk gilt außerdem dem Warenbestand. Supply Chain Experten müssen einbezogen werden, um die Kapitalbindung in den einzelnen Wertschöpfungsprozessen zu reduzieren. Da sich Lieferfähigkeit und Lieferzeit in bestimmten Konstellationen massiv verschlechtert haben und gleichzeitig Auftragsrückgänge zu verzeichnen sind, ist die Gefahr durch totes Kapital aktuell besonders hoch. Analog zum Cash Flow Controlling haben hier alle jene Unternehmen besondere Probleme, die das Potenzial ihrer ERP Systematik nicht ausschöpfen und bisher keine tagesgenaue Transparenz entlang der Supply Chain schaffen konnten.

6. Cost Reduction – Einsparpotenziale realisieren
Parallel zum Working Capital Management müssen kurzfristig alle Einsparpotenziale funktionsübergreifend identifiziert und die Realisierung abgewogen werden. Auf Basis der errechneten Szenarien des Cash Flow Forecastings sollten die Budgets in den Kategorien abgezogen werden, die keine entsprechende Wertschöpfung versprechen. Gemeinsam mit dem Stakeholder Management und HR muss offen diskutiert werden, wie scharf die Einschnitte der Dividenden und Gehälter / Boni vorgenommen werden können und inwiefern Kurzarbeit unabdingbar ist.

7. Financial Sourcing – Quellen identifizieren
Alle Optionen offen halten ist hier die Devise. Um kurzfristig den Liquiditätsbedarf für jedes Szenario zu gewährleisten, müssen alle Möglichkeiten der Fremdfinanzierung bekannt und schnell abrufbar sein. Dies sollte auch bereits eingeleitet werden, wenn noch keine akute Notwendigkeit besteht. Das KfW Sonderprogramm 2020 kann über die Hausbank abgerufen werden und verspricht verbesserte Zinskonditionen und eine erweiterte Haftungsfreistellung.

Fazit
Die benötigten Schritte sind klar, doch bedarf es auch eines umsetzungsstarken Managers, der sie geht. Wir stellen fest, dass mangelnde Kapazitäten sowie fehlendes Know-how die häufigst genannten Faktoren für verzögerte Umsetzungsmaßnahmen sind.

Mithilfe des Aurum Quick Checks finden wir gemeinsam mit Ihnen heraus, wie Sie Ihre Kapazitäten bestmöglich einsetzen und an welcher Stelle die Unterfütterung durch einen zusätzlichen umsetzungsstarken Manager unabdingbar ist. Die Aurum Experten sind sofort verfügbar und vor Ort oder remote tätig. Sprechen Sie uns an.

Zurück